«Aus Vorsicht würde das Gefährt einfach stillstehen»

7. Januar 2020 agvs-upsa.ch – Zukunftsforscher Matthias Horx blickt auf das neue Jahrzehnt. Der Gründer des «Zukunftsinstituts» mit Sitz in Frankfurt und Wien glaubt nicht, dass sich selbstfahrende Autos im neuen Jahrzehnt durchsetzen werden. Vielmehr sieht er die «blaue Ökologie» kommen.


Matthias Horx, Trend- und Zukunftsforscher. (Foto: Klaus Vyhnalek)

abi. Matthias Horx, der 2010 als Referent am «Tag der Schweizer Garagisten» auftrat, gilt als einer der einflussreichsten Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum. Im Gespräch mit der «Schweiz am Wochenende» befasste sich der 64-Jährige mit dem soeben angebrochenen Jahrzehnt – und räumte mit künstlicher Intelligenz, autonomem Fahren und der Digitalisierung auf.

So glaubt er beispielsweise nicht, dass sich das selbstfahrende Auto in den kommenden zehn Jahren durchsetzen wird. «In begrenzten Arealen kann es funktionieren, im allgemeinen Verkehr nicht», sagt Horx. Denn der Verkehr in Städten sei viel zu kompliziert: Nicht nur in Manila oder Rom, sondern bereits schon in Zürich. «Aus Vorsicht würde das Gefährt einfach stillstehen.» Für ihn ist klar: «Das selbstfahrende Auto ist ein überzogenes Narrativ, welches die Autoindustrie nicht dermassen verändern wird, wie sie selber glaubt.» Auch sieht er in diesem Jahrzehnt das Ende des SUV-Booms.

Die in den Städten weit verbreiteten E-Roller zählt er gar zur langen Reihe der «Future Flops» - genauso wie Augmented Reality (AR). Das seien Anwendungen, die uns als Lösungen versprochen werden, aber nur mehr Probleme schaffen. «Oder einfach in Nischen steckenbleiben.» Platz für AR sieht er nur in Spezialanwendungen wie etwa in der Logistik. 

Mehr Chancen räumt er hingegen der ökologischen Wende ein. «Die 20er-Jahre werden auch das Jahrzehnt der Ökologie», sagt er. Die Wirtschaft werde sich weg von den fossilen Energien bewegen und es werde zu neuen Kooperationen im globalen Raum kommen. Um seine Theorie zu untermauern, vergleicht Horx Greta Thunberg mit Jeanne d’Arc und John F. Kennedy. «In der Geschichte war das immer so, dass sich solche Symbole zeigten, wenn sich die Gesellschaft in ihrem tiefsten Innern verändert.»

Allerdings glaubt er bezüglich Klimawandel nicht an Scham und moralische Argumentation. «Das Ökologische kann sich nicht durchsetzen, wenn es eine reine Verzichtforderung bleibt», ist er überzeugt. Er befürwortet die «blaue Ökologie», wobei Blau für die Technologie, den Horizont und die ganze Erde steht. «Blaue Ökologie ist im Unterschied zur grünen keine Verzichts- und Angst-Ökologie, sondern eine neue Idee von Fortschritt, bei der es um mehr Lebensqualität geht.» Für ihn ist klar: «Verzicht erzeugt Ängste und Verteilungskämpfe.» Nur wenn sich die Idee einer höheren Lebensqualität mit der Ökologie verbinde, werde die Zukunftsrechnung aufgehen.

Deshalb wird es laut Horx auch in Zukunft noch Langstreckenflüge geben – aber mit synthetischem Kerosin und vielleicht auch etwas teureren Tickets. 

Mehr über Matthias Horx gibt es hier.
 

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