Tatsächlicher und offizieller Verbrauch nähern sich an

22. Januar 2019 agvs-upsa.ch – Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass der offizielle Treibstoffverbrauch noch immer deutlich über den Versprechungen der Hersteller liegt. Die Zahlen stammen jedoch noch aus dem Jahr 2017 – und damit vor WLTP.

abi. Der reale Kraftstoffverbrauch neuer Autos liegt durchschnittlich um 39 Prozent höher als der von den Herstellern angegebene Testverbrauch. Dies zeigt eine Studie der unabhängigen Forschungsorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT), die auch an der Aufdeckung des VW-Skandals beteiligt war. Der Bericht basiert auf einer statistischen Auswertung der Daten für mehr als 1,3 Millionen Fahrzeuge aus acht europäischen Ländern inklusive der Schweiz. In die Berechnung flossen Angaben von grossen Leasingfirmen sowie Informationen von Spritverbrauchsportalen und Fachmagazinen ein. 

Die Presse nahm die Geschichte dankbar auf. Das Problem: Die Daten stammen von Neuwagen aus dem Jahr 2017 – und sind damit veraltet. Denn am 1. September 2018 hielt in ganz Europa das neue Testverfahren «Worldwide harmonized Light vehicle Test Procedure» (WLTP) Einzug. Er ersetzt den bis dann geltenden «Neuen Europäischen Fahrzyklus» (NEFZ). Das neue Verfahren orientiert sich näher am alltäglichen Fahrverhalten und soll zu realistischeren Verbrauchsangaben führen. 

«Alter Test bildet heutige Realität nicht ab»
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) verwies in einer Reaktion auf die Studie denn auch auf den WLTP. «Die Erkenntnis der ICCT-Berichte ist stets die gleiche: Der alte Labortest bildet die heutige Realität der Modelle und des Strassenverkehrs nicht mehr adäquat ab», twitterte er. «Emissionswerte von Autos im Labor und auf der Strasse unterscheiden sich grundsätzlich» – im Labor können Bedingungen wie Wetter, Verkehrslage oder Gelände nicht einbezogen werden. Das neue Messerverfahren stelle Verbrauch und CO2-Werte realistischer dar und bringe den Kunden damit mehr Sicherheit.

Erstmals wird Kluft kleiner
Eine gute Nachricht gibt es allerdings trotz der veralteten Zahlen: Die Prüfer stellten in der Statistik eine spürbare Veränderung fest. «Zum ersten Mal, seit wir 2012 mit unserer jährlichen Auswertung der Kraftstoffverbrauchsdaten begannen, stellen wir einen leichten Rückgang der Kluft zwischen offiziellem und tatsächlichem Verbrauch fest», sagt Uwe Tietge, einer der ICCT-Forscher und Co-Autor der Studie. «Zuvor stieg die Abweichung von Jahr zu Jahr an.» Die Abweichung gegenüber dem Vorjahr ging um einen Prozentpunkt zurück. 

Die ICCT-Forscher vermuten, dass das verstärkte öffentliche Interesse an den realen Emissionen von Fahrzeugen in der Folge des Dieselskandals zum Rückgang der Abweichung geführt hat. 

Die Daten für das Jahr 2018 können die Experten dann Mitte dieses Jahres auswerten.
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