Den Schweizern graut vor Verkehrsstaus

26. September 2018 agvs-upsa.ch – Zwei Drittel der Schweizer sind der Ansicht, dass sich die Verkehrssituation in den letzten Jahren verschlechtert hat. Ein Drittel der Autofahrer ist zudem weniger zuversichtlich, pünktlich zu einem Treffen zu erscheinen, als noch vor fünf Jahren. Dies belegt eine vom TCS in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage des Instituts mrc. Demnach beeinflusst der Grund für die Fortbewegung, die Wahl des Transportmittels. Die öffentlichen Verkehrsmittel werden häufiger für den Arbeitsweg als für die Freizeitaktivitäten benutzt.



tcs. Ziel der Umfrage war es besser zu verstehen, weshalb Schweizerinnen und Schweizer ein bestimmtes Transportmittel bevorzugen, um so die Mobilitätstendenzen von morgen vorauszusehen. Durch die direkte Befragung der Bevölkerung bringt der TCS die Bedürfnisse und Erwartungen in Erfahrung und erhält so eine wichtige Bestandsaufnahme, die auch einen interessanten Einblick in die sozioökonomische Entwicklung gibt. Der TCS als grösster Mobilitätsclub der Schweiz konnte seit seiner Gründung 1896 fortbestehen, weil er sein Angebot laufend auf seine reisenden Mitglieder abgestimmt hat. Ein seit Anfang Jahr angebotenes neues Mitgliedschaftsmodell gewährleistet beispielsweise die Mobilität unabhängig vom gewählten Verkehrsmittel.

Die wichtigsten Erkenntnisse des Berichts:
1. Die öffentlichen Transportmittel sind bei den Schweizern beliebt
2. Fast zwei Drittel der Schweizer sind der Meinung, dass sich die Verkehrsbedingungen verschlechtern
3. Mehr als jeder Dritte hat bereits eine kritische Situation als Velofahrer oder Fussgänger erlebt
4. Fast jeder zweite Schweizer verreist mit dem Flugzeug in die Ferien
5. Die Sharing Economy spricht vor allem die jüngste Generation an

Die öffentlichen Transportmittel sind bei den Schweizern beliebt
Die öffentlichen Transportmittel sind bei den Schweizern beliebt, um an den Arbeits- oder Studienort zu gelangen (40 Prozent), doch deutlich weniger Schweizer verwenden Tram, Bus oder Zug für die Ausübung von Hobbies (28 Prozent). In der Tat benutzen hier 54 Prozent das Auto. Ein Phänomen, das mit der Tatsache zusammenhängen dürfte, dass die in der Freizeit ausgeübten Aktivitäten sich oft nicht mit dem öffentlichen Verkehrsnetz und den Fahrplänen ausserhalb der Stosszeiten vereinbaren lassen. Die Umfrage zeigt auch, dass 27 Prozent der grossen Unternehmen ihren Angestellten Abonnemente für die öffentliche Verkehrsmittel anbieten oder subventionieren, während KMUs in der Regel Parkplätze zur Verfügung stellen.

Fast zwei Drittel der Schweizer sind der Meinung, dass sich die Verkehrsbedingungen verschlechtern
Obwohl die Schweizer die Verkehrsinfrastruktur generell als gut erachten und 62 Prozent der Befragten in den letzten fünf Jahren bei der Verkehrssicherheit Verbesserungen feststellen konnten, wird die Aufnahmekapazität des Verkehrs stark kritisiert. Tatsächlich sind zwei von drei Schweizern der Ansicht, dass sich der Verkehrsfluss im gleichen Zeitraum verschlechtert hat und dass die Zahl der Staus auf Autobahnen oder in den Agglomerationen zunimmt. So ist ein Drittel der Schweizer weniger zuversichtlich als noch vor fünf Jahren, pünktlich am Ziel anzukommen, wenn er sich für das Auto statt für ein anderes Verkehrsmittel entscheidet.

Mehr als jeder Dritte hat bereits eine kritische Situation als Velofahrer oder Fussgänger erlebt
39 Prozent der Befragten geben an, in den letzten Wochen als Teilnehmer im Langsamverkehr einen Konflikt erlebt zu haben. Am häufigsten sind zwar kritische Momente zwischen Langsamverkehr und motorisiertem Privatverkehr (58 Prozent der Fussgänger, 69 Prozent der Velofahrer). Jedoch hatten 39 Prozent der Fussgänger einen Konflikt mit einem Fahrradfahrer und 25 Prozent der Fahrradfahrer hatten einen Konflikt mit einem Fussgänger.

Fast jeder zweite Schweizer verreist mit dem Flugzeug in die Ferien
Die Schweizer lieben es zu reisen. 81 Prozent der Befragten waren in den letzten 12 Monaten weg von zuhause unterwegs. 48 Prozent gaben an, dass sie hauptsächlich mit dem Flugzeug zu ihrem Ferienziel reisen. Nur leicht mehr (49 Prozent) bevorzugen das Auto. Bemerkenswert ist ebenfalls, dass fast ein Drittel (29 Prozent) die öffentlichen Verkehrsmittel (hauptsächlich Züge) nutzt. Dies ist ein Beweis dafür, dass dieses Transportmittel für lange Strecken wettbewerbsfähig ist.

Die junge Generation praktiziert Sharing Economy
Jeder vierte Schweizer im Alter zwischen 16 und 29 Jahren nutzt die Sharing Economy regelmässig als Teil seiner Mobilität (Auto, Parkplätze, Unterkunft usw.). Bei den 30- bis 60-Jährigen sind es 14 Prozent, bei den über 60-Jährigen noch 7 Prozent. Die Jüngsten sind auch am meisten interessiert am neuen Markt, selbst wenn sie ihn selber noch nicht ausprobiert haben (ca. 50 Prozent). Dies weil sie sich durch die Vorteile der Sharing Economy mehr Wahlmöglichkeiten (49 Prozent stimmen zu oder stimmen voll und ganz zu) und einen Ressourcen schonenderen Umgang (59 Prozent stimmen zu oder stimmen voll und ganz zu) erhoffen. Positiv bewertet wird auch, dass sich durch die Sharing Economy persönliche Anschaffungen vermeiden lassen (55 Prozent stimmen zu oder stimmen voll und ganz zu). Übrigens sind die Westschweizer diesem Thema gegenüber offener eingestellt als die Deutschschweizer. Die Umfrage zeigt jedoch auch, dass viele ältere Schweizer den Schritt zur Sharing Economy noch nicht gewagt haben oder wenig überzeugt sind. Sie befürchten, beim Vergleich zwischen dem unterbreiteten und dem tatsächlichen Angebot enttäuscht zu werden, bei nicht professionellen Leistungen Schaden zu erleiden (z.B. Fahrzeug in schlechtem Zustand) oder im Schadensfall in Rechtsstreitigkeiten verwickelt zu werden.

Diese Studie wurde im Auftrag des TCS durch das Forschungsinstitut mrc durchgeführt. Eine Zusammenfassung kann heruntergeladen werden unter www.tcs.ch. Der TCS-Mediendienst ist im Besitz der vollständigen Studie.
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