Weniger Verkehr, aber Stickstoffdioxid-Werte bleiben hoch

22. April 2020 agvs-upsa.ch – Mit Fahrverboten die Luftqualität in den Städten verbessern. Mit diesem simplen Rezept wollen viele Städte in Europa Diesel-Fahrzeuge fernhalten. Die Corona-Krise zeigt nun aber, dass dieser Ansatz zu einfach ist: Denn trotz weniger Verkehr sind die Stickstoffdioxid-Werte nicht gesunken.

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cst. «Die Corona-Krise gibt uns die Möglichkeit zu einer bemerkenswerten Beobachtung – und entlarvt die Diesel-Fahrverbote als beispiellose Fehleinschätzung von Behörden und Gerichten, die zig tausenden Autofahrern unnötigen finanziellen Schaden verursacht hat.» So beginnt Martin Schraag seinen Gastbeitrag im Nachrichtenmagazin Focus-Online. Martin Schraag ist Diplom-Ingenieur und Messtechnik-Experte. Sein Fazit: Diesel-Fahrzeuge seien nicht Hauptverursacher von hohen Stickstoffdioxid-Werten in der Stadt, wie die Corona-Krise zeige. Seine Aussagen basieren auf einer Analyse frei zugänglicher Messdaten aus Stuttgart. Jene Stadt, in der ab 1. Juli 2020 zusätzlich ein zonales Fahrverbot für Euro-5-Diesel Fahrzeuge gelten soll.

Die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus haben dazu geführt, dass sich in der gesamten Landeshauptstadt von Baden-Württemberg das Verkehrsaufkommen deutlich reduziert hat. Weniger Verkehr, bessere Luft? Nein, hat Martin Schraag festgestellt: Die Stickstoffdioxid-Werte wie zum Beispiel an der Messstelle Neckartor sind im März gar höher ausgefallen als an vergleichbaren Tagen mit deutlich mehr Verkehr. An Ostern, wo der Verkehr noch geringer war, seien die Werte auch während der Nacht über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter gelegen. Zudem gibt es laut Schraag NO2-Spitzen auch in autofreien Innenstadtbereichen. «Jetzt ist der Verkehr nicht da, und jetzt sieht man eben, dass er teilweise weniger Einfluss hat, als gedacht.» Seiner Ansicht nach spielten verschiedene Faktoren eine Rolle, darunter Heizungsanlagen, das schöne Wetter und der Wind.

Baden-Württemberg möchte eigentlich keine weiteren Fahrverbote, ist aber durch ein Gerichtsurteil gezwungen. Es sei denn, die Grenzwerte für NO2 können in diesem Jahr eingehalten werden. Laut «Redaktionsnetzwerk Deutschland» hat das Verkehrsministerium den Verwaltungsgerichtshof gebeten, die Entscheidung über die weiteren Fahrverbote aufschieben zu dürfen. Die Entwicklung sei positiv, aber wegen der Coronavirus-Krise sei nun überhaupt nicht absehbar, wie sich die Lage in den kommenden Monaten entwickeln werde, heisst es zur Begründung.
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